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Kultur in der Region Hildesheim

Interessant + Wissenswert

Sagen und Geschichten

Es war einmal in Eime – Gelebte Dorfgeschichten

Ganz besondere und sehr lebendige Geschichten erzählte man sich in Eime und den zugehörigen Orten Dunsen, Deinsen, Deilmissen und Heinsen im Rahmen eines Theaterprojekts des TPZ Hildesheim (Theaterpädagogisches Zentrum Hildesheim e.V.) zwischen August und November 2019. Gelebte Dorfgeschichte(n) wiederentdecken – das war das Ziel. Um dieses zu erreichen, machten sich die Theater- und Schreibpädagog*innen Silke Pohl und Karu Grunwald-Delitz zusammen mit Elisa Kneisel, einer Studentin der Kulturwissenschaften, auf, um Menschen im Flecken Eime zum Erzählen und Theaterspielen zu motivieren. Tatsächlich ließen sich viele Menschen aus Eime und den zugehörigen Orten anstecken und waren sehr kreativ.

Im Anschluss an das Projekt, das vom Landesverband Theaterpädagogik Niedersachsen e.V. gefördert wurde, entstand eine Sammlung von Geschichten in Heftform. Und wenn sie nicht gestorben sind... 

Hier kommen drei „Gelebte Dorfgeschichten“ – erzählt von echten Deilmissenern.

Ein Haus für alle

Dreh- und Angelpunkt für viele Aktivitäten in Deilmissen ist, wie in einigen umliegenden Orten auch, die ehemalige Schule: Wo Kinder früher von der ersten bis zur achten Klasse paukten, kommt heute die Dorfgemeinschaft zusammen – alle vier Wochen montags zum Beispiel, um zu singen. Zwar ruht der 1863 gegründete Deilmissener Gesangsverein „Eintracht“, dem ich vorstehe, seit einigen Jahren. Aber einmal im Monat treffen wir verbliebenen zehn Sänger*innen uns dort und singen Lieder aus dem Buch „Die Mundorgel“ – einfach alles, wonach uns der Sinn steht; jeder kann sich etwas aussuchen. Außerdem begleiten wir musikalisch die wichtigen Punkte im Leben unserer aktiven Sänger*innen: Hochzeiten, Geburtstage, Beisetzungen; eben alles, was im Dorfgemeinschaftshaus feierlich begangen wird.

Meine Frau und ich sind 1998 in den Chor eingetreten und durften im Zuge dessen viel Schönes miterleben, etwa das gemeinsame Singen mit anderen Chören auf der Freilichtbühne in Osterwald. Nach einem Fest der Eimer musiktreibenden Vereine schrieb die LDZ einmal über uns: „Was der kleine Chor Deilmissen darbietet, ist ganz und gar nicht klein.“ Und wer weiß? Vielleicht sind wir ja irgendwann wieder genug Sänger*innen? Schließlich hat der Verein 1959 schon einmal geruht, und ab Mitte der 70er ging es wieder bergauf. Bis dahin … freuen wir uns auf den nächsten Singabend im Dorfgemeinschaftshaus.

Erzählt von Wilfried Schulz, zu Papier gebracht von Silke Pohl

Oft sind es die kleinen Dinge …
Nähe und Geborgenheit

Deilmissen ist ein kleines Dorf. Hier kennt jeder jeden. Ich kann das sagen, denn ich bin hier aufgewachsen. Als Kind und vor allem als Teenager fand ich es manchmal ziemlich nervig, hier zu wohnen. Wenn ich irgendwas angestellt hatte, wussten es meine Eltern, noch bevor ich zu Hause war. Geheim halten ließ sich hier nix. Irgendwann ist mir das zu eng geworden. Ich musste raus. Für meine Ausbildung bin ich nach Hannover gegangen – in die große Stadt. Dort gab es viel zu erleben: Konzerte, Kneipenabende, Disco-Nächte, WG-Partys, und das alles, wann immer man Lust dazu hatte! Ich konnte machen, was ich wollte, aber es interessierte auch niemanden, was ich tat …

(...) Doch je älter ich wurde und je weiter ich meine Sturm-und-Drang-Zeit hinter mir ließ, desto mehr zog es mich wieder in meine Heimat.

(...) Letztlich fehlte mir die Nähe, und dass jeder jeden kennt und alle aufeinander achtgeben. Ein Beispiel: Im Sandkasten in Deilmissen lassen die Leute das Spielzeug für die Kinder liegen. Niemand würde es absichtlich kaputtmachen oder klauen. Es bleibt einfach da liegen, für alle. In Hannover undenkbar.

Wir haben hier auch eine gut funktionierende Nachbarschaftshilfe. Es gibt eine Telefonnummer, wo man anrufen kann, wenn man Hilfe braucht. Wir unterstützen uns gegenseitig, und jeder versucht etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun. Und das ist mir wichtiger als irgendwelcher hipper Großstadttrubel. Ich zum Beispiel mache Abend-Andachten – eine Art Kaffeepause für die Seele. Eine kleine Auszeit, um mal aus dem Hamsterrad auszusteigen und etwas Zeit mit Gott zu verbringen. Aber ich bin natürlich nicht die Einzige, die etwas für unser Dorf tut.

Erzählt von Elke Barnisch, zu Papier gebracht von Karu Grunwald

Wenn in Deilmissen die Feen landen

Nur einen Grinsekatzensprung vom Wunderland entfernt liegt Deilmissen. Nun ja, zumindest für einen Abend pro Jahr. 2019 zum Beispiel konnte man dort, bewacht von Kartensoldaten und beobachtet von einem sich bewegenden Katzenkopf, einen Drink an der sogenannten Wunder-Bar genießen, eingerichtet im herrlich schrägen Flair von „Alice im Wunderland“.

Die Auennacht mit Worten zu beschreiben, ist eigentlich kaum möglich. Selbst wir Organisator*innen erfahren oft erst durch Fotos oder Erzählungen von allen spontan entstandenen Aktionen. Deshalb ist die Auennacht für mich wie Paketöffnen an Weihnachten. Man sieht zunächst die ungefähre Form des Geschenks, doch den Inhalt erkennt man erst danach.

Die Auennacht ist eine Abendveranstaltung in Deilmissen, geprägt durch Lichtinstallationen, farbenfrohe Objekte, Feuershows und seltsame Figuren. Jung und Alt finden im vielfältigen Kulturprogramm Momente zum Staunen und Träumen – bei Lesungen, Konzerten, Theaterperformances, Tanz und Akrobatik. Für Verpflegung sorgen wir etwa in der Feuerküche unter freiem Himmel auf großen Metallpfannen über offener Flamme.

Das Spektakel erstreckt sich über den Garten der Hausgemeinschaft in der Heinser Straße 4. Wir Bewohner*innen haben die Auennacht 2009 als Alternative zu kommerziellen Events ins Leben gerufen, mit dem Fokus auf gemeinschaftlichem Schaffen eines Freiraums für Kunst und Kultur. Durch gemeinsame Anstrengung sollte ein Ort des Ausdrucks und der Umsetzung verrückter Ideen entstehen.

Mit der Gartenfläche hinter dem Haus hatten wir den perfekten Veranstaltungsort zur Verfügung und glücklicherweise waren die Nachbar*innen der Idee gegenüber sehr aufgeschlossen und haben uns mit Materialien und Mithilfe unterstützt.

In der ersten Auennacht waren wir sehr gespannt, wie viele Besucher*innen erscheinen würden. Denn sonderlich viel Werbung hatten wir nicht gemacht. Ich zog gerade noch die letzten Teile meines Kostüms an, da sah ich, wie sich die Besucher*innen auf das Eingangstor zubewegten, und konnte es kaum glauben! Das Fest erwies sich als wahrer Publikumsmagnet, nicht nur für regionale Gäste.

Seitdem laden wir immer wieder in unserem Garten dazu ein, den Alltag hinter sich zu lassen, zu träumen und sich verzaubern zu lassen. Der schönste Moment für mich: wenn nach der langen Vorarbeit am Abend der Veranstaltung alles zusammenkommt und sich das gemeinschaftliche Engagement auszahlt.

Die Auennacht entsteht durch den Willen, mitzugestalten. Jede Person kann uns gerne ansprechen, dazukommen und sich im kleinen oder großen Maß beteiligen. Alle Menschen, die sich denken: „Das wollte ich schon immer mal umsetzen!“, sind bei uns an der richtigen Adresse. Egal ob man bauen möchte, einen Haufen Metall zu verschenken hat, Karten verkaufen will oder schon lange diese verrückte Idee für einen Walking Act als goldgeflügelte Fee hat, die einen nicht mehr loslässt …

Platz für all das und noch viel mehr ist im beschaulichen Dorf Deilmissen.

Erzählt von Andrea Flor, zu Papier gebracht von Elisa Kneisel

Hoike  Sagen und Erzählungen aus dem Land zwischen Hildesheimer Wald und Ith

Der ehemalige Deilmisser Dorflehrer und Elzer Kreisheimatpfleger Wilhelm Barner hat in akribischer Feinarbeit zahlreiche Sagen und Erzählungen aus dem Leinebergland zusammengetragen, die er den Einwohnern entlockt hat und die sich um Ungewöhnliches in der Natur und um die Geschichte der Landschaft ranken. Unterstützt haben ihn dabei Ernst Bock, Lehrer in Ahrenfeld, Walter Köster aus Freden, Richard Schaller aus Alfeld und Heinrich Klages, Lehrer in Esbeck.

Der Heimat- und Geschichtsverein Elze und seiner Ortsteile e.V. hat die wertvollen Überlieferungen bereits 1960 in Buchform veröffentlicht. Heute sind diese auf der Website des Vereins unter Bücher / Hoike vollständig nachzulesen. Ganz am Ende der Seite hat man die Möglichkeit, sich alle Geschichten herunterzuladen. Besonders hilfreich ist das alphabetische Ortsverzeichnis, in dem alle Orte zu finden sind, zu denen es Geschichten gibt.

Über Deilmissen findet man dort neun Geschichten.

Schriftgut und Überliefertes

- 800 Jahre Deilmissen 1219-2019, Broschüre zum 800-jährigen Dorfjubiläum von Deilmissen (Verf.: Dr. Hans-Joachim Budde, Marion Grabasch, Monika Hagemann, Ulla Nowicki, Karin Strohmeier)

Barner, Wilhelm

- Unsere Heimat – Das Land zwischen Hildesheimer Wald und Ith, Lax Hildesheim/Leipzig 1931

- Urgeschichte des Leineberglandes für Schule und Haus, Lax Hildesheim/Leipzig 1934

- Heimatatlas des Kreises Alfeld, Heimatmuseum Alfeld 1957

Berühmte Persönlichkeiten

Wilhelm Barner

Dorfschullehrer und Heimatforscher von Deilmissen, Kreisheimatpfleger des ehem. Landkreises Alfeld

Wilhelm Barner (1893-1973) wurde in Ringelheim/Harz geboren. Nach seiner Ausbildung zum Volksschullehrer unterrichtete er von 1916 bis 1936 an der Schule in Deilmissen. Hier wurden auch seine vier Kinder geboren.

Ab 1920 begann Barner mit seinen Forschungen zur Urgeschichte und Volkskunde des Leineberglandes und mit Grabungen rund um Deilmissen, in deren Zusammenhang er steinzeitliche Hofanlagen freilegte und zahllose wertvolle Einzelstücke aus der Erde hob – so auch ein Randeisenbeil, das zu den schönsten Bronzeexponaten Niedersachsens zählt und heute das Deilmisser Wappen ziert. Später setzte er seine Forschungen im Winzenburger und Fredener Raum außerordentlich erfolgreich fort, richtete einen archäologischen Lehrpfad ein und fasste seine Forschungsergebnisse in mehreren noch heute anerkannten Veröffentlichungen und Büchern zusammen.

Anfang der 1930er Jahre wurde Barner ehrenamtlicher staatlicher Kulturpfleger des Kreises Alfeld und 1936 in die Schule nach Alfeld versetzt. Ab 1944 war er dort Bezirks- und später Kreis-Heimatpfleger und außerdem an der Pädagogischen Hochschule in der Lehrerausbildung tätig.

Obwohl er 1949 seine Lehrertätigkeit aus gesundheitlichen Gründen beenden musste, setzte er sich weiterhin mit Leidenschaft für seine heimatkundlichen Forschungen ein und richtete in Alfeld mit der Unterstützung von Stadt und Landkreis ein Museum nach modernen Maßstäben ein. Es entstand eine Einrichtung nicht nur für regelmäßige Ausstellungen, sondern auch für regelmäßige Veranstaltungen, Vorträge und Kammermusikabende.

Wilhelm Barner wurde mit vielen Auszeichnungen für seine Arbeiten geehrt und 1958 zum Ehrenbürger der Stadt Alfeld ernannt.

Das gibt's so nur bei uns

Auennacht

Zu finden: Heinser Str.4

Seit 2009 lädt die Hausgemeinschaft der Heinser Str. 4 im Sommer zur Auennacht in ihren großen Garten hinter dem Haus. Ist dieser Garten schon bei Tag ein ganz besonderer Flecken Erde, so verwandelt er sich in dieser Nacht in einen Zaubergarten. Wer könnte am besten davon erzählen als eine der Initiator*innen. Lesen Sie hier und schauen Sie unter https://auennacht.jimdo.com.

Wirtschaftsbetriebe

Telefon: 0 51 82 / 74 67
Zum Angebot des Hofladens gehören Gemüse, Obst und Topfkräuter sowie das nachfolgende Zukauf-Sortiment: Bier, Eier, Fleisch, Wurst, Geflügel, Gemüse, Getreide, Getreideerzeugnisse, Honig, Käse, Kartoffeln, Milch, Molkereiprodukte, Obst, Saft, Tee, Topfkräuter und Wein.
Der Hofladen ist ganzjährig isgeöffnet: dienstags und donnerstags von 15.00 bis 18.00 Uhr, samstags von 10.00 bis 13.00 Uhr.
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