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Geschichte


Geschichtliches

Die erste historische Erwähnung Egenstedts findet sich in einer Urkunde des Hildesheimer Bischofs Bernward aus dem Jahr 996. Darin werden Besitztümer in „Eganstedi“ aufgeführt. Der Ortsname leitet sich vermutlich von „Eckenstätte“ ab – ein Hinweis auf die topografische Lage des Dorfes. Die Endung „-stede“ lässt vermuten, dass Egenstedt bereits im 7. Jahrhundert gegründet wurde.

Um die erste Jahrtausendwende war Egenstedt bischöflicher Besitz. Bischof Bernward übertrug im Jahr 1022 zwölf Hufen und den Zehnten des Dorfes seiner Stiftung, dem Michaeliskloster. 1307 erwarben die Zisterzienser des Klosters Marienrode weitere Grundstücke in Egenstedt. Ab 1353 gehörte der Ort zum Amtsbezirk Marienburg. Später verpfändete Bischof Gerhard die Marienburg – einschließlich der Dienste und Abgaben aus Egenstedt und dem benachbarten Röderhof, der hier zum ersten Mal erwähnt wird.

Ab 1443 verwaltete das Hildesheimer Domkapitel das Amt Marienburg bis zur Säkularisation. Auch die Propstei St. Mauritius auf dem Moritzberg in Hildesheim besaß umfangreiche Ländereien in Egenstedt. 1594 wurden diese, zusammen mit dem Zehnten und der Schäferei, vom Bischof dem Hildesheimer Jesuitenkolleg überschrieben. Die bis heute gebräuchliche Bezeichnung „Jesuitergärten“ erinnert an diese grundherrlichen Verhältnisse. Als Gemeindewappen führt Egenstedt daher das Monogramm des Jesuitenordens.

Für die Dorfbewohner war das Leben im Mittelalter von harter Arbeit und Entbehrungen geprägt. Dürre, Unwetter, Seuchen und Überschwemmungen gefährdeten regelmäßig die Existenzgrundlage. Die Höfe lagen nah an der Innerste, die oft über die Ufer trat. Der Glaube spielte eine zentrale Rolle im Alltag – geistlicher Mittelpunkt war die Nikolauskapelle. Kirchliche Feiertage wie Ostern, Pfingsten oder Erntedank boten Abwechslung vom bäuerlichen Alltag. Während Hildesheim 1542 zum Protestantismus übertrat, blieb Egenstedt katholisch.

Im Dreißigjährigen Krieg erlebte Egenstedt im 17. Jahrhundert schwere Zeiten. Durchziehende Truppen nutzten die an der Heerstraße gelegene Ortschaft immer wieder als Quartier. Erst im 18. Jahrhundert begann eine Phase der Erholung. Die Bevölkerung wuchs, man lebte überwiegend von Ackerbau und Viehzucht. Handwerker waren selten. Wiederkehrende Überschwemmungen der Innerste stellten ein großes Problem dar. Eine Agrarreform am Ende des Jahrhunderts befreite die Bauern vom Flurzwang und ermöglichte eine freie Fruchtfolge.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert stieg die Lebensqualität: Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1902 gegründet, elektrische Strom- und Wasserversorgung folgten. Kurz hinter der Dorfgrenze entstand 1912 die „Engelkesche Ziegelei“, die bis 1962 bestand. Um 1900 begann man an den Hängen rund um Egenstedt mit dem Obstanbau.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele Flüchtlinge, Vertriebene und Hildesheimer mit zerstörten Wohnungen eine neue Heimat in Egenstedt. Die Einwohnerzahl stieg auf 448. Ab 1950 gab es eine Schule im Ort, die Müllabfuhr wurde eingeführt, Straßen wurden ausgebaut und die Wasserversorgung mit einem Hochbehälter auf dem Sonnenberg modernisiert. In dieser Zeit wurde auch das noch heute bestehende Ausflugslokal am Sonnenberg gegründet.

Im Laufe der Jahre nahm die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Egenstedt stetig ab. Viele Bewohner fanden Arbeit außerhalb des Dorfes – unter anderem auf dem Gelände des Röderhofs, der seit 1928 zu Egenstedt gehört. Im Jahr 1969 wurde dort die „Heimstatt Röderhof“ gegründet, eine Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. Schon seit rund 100 Jahren dient das Gelände um das alte Forsthaus in Röderhof auch als Zeltplatz. Seit 2014 ist die dortige Jugendbegegnungsstätte Heimat des Klosters Romuald. Im Jahr 1975 wurde Egenstedt in die Gemeinde Diekholzen eingegliedert.

Heute ist Egenstedt geprägt von gepflegten Eigenheimen, der St.-Nikolaus-Kirche und einem aktiven Dorfleben rund um das Freizeitgelände beim Jesuiterhof.


Historische Baulichkeiten

Pfarrkirche St. Nikolaus

Zu finden: Kirchstraße

Im Mittelalter gab es in Egenstedt eine Fachwerkkapelle, die dem Hl. Nikolaus geweiht war und damals zu Detfurt gehörte. Die kirchliche Zuständigkeit wechselte in den kommenden Jahren von Marienburg zu Groß Düngen, wo die Gemeinde auf die hinteren Bänke verbannt wurde. Zum Gottesdienst mussten die Egenstedter weiterhin nach Groß Düngen laufen, was besonders für Kinder und ältere Menschen beschwerlich war. In der Egenstedter Kapelle konnte man getauft und getraut werden; zudem wurde ein Friedhof angelegt, auf dem 1836 die erste Beisetzung stattfand.

Bereits ab 1815 bemühte man sich um eine eigene Kirche. Erst 1840 bekam Egenstedt einen eigenen Pfarrer, und der Jesuiterhof im Ort wurde zum Pfarrheim. Die kleine, alte Kapelle wurde abgerissen, und von 1841 bis 1843 errichtete man endlich die gewünschte stattliche Kirche. Die Gemeindemitglieder unterstützten den Bau durch Materialtransporte von der Lechstedter Ziegelei, die die Mauersteine lieferte. Auch Röderhof gehörte fortan zur Gemeinde Egenstedt.

Das Kircheninventar der Kapelle war in sehr schlechtem Zustand, so dass eine neue Einrichtung erforderlich wurde – für die allerdings kein Geld mehr vorhanden war. Vom Moritzberg erhielt man eine fast neue Kanzel und Teile eines alten Altars. Erst nach der Bewilligung eines Zuschusses konnte man eine Orgel und eine zweite Turmglocke anschaffen.

1878 wurde der ursprüngliche Dachreiter entfernt und die Kirche erhielt einen Turm. Das Untergeschoss des Turmes dient seither als Vorhalle. 1911 folgte ein Anbau, in dem sich heute die Sakristei befindet. Trotz mehrerer Renovierungen blieb die Deckenbemalung erhalten. 1974 erhielt die Kirche einen neuen Altar und einen Tabernakel.

Der schlichte, verputzte Bruchsteinbau besitzt ein Satteldach, das nach Osten abfällt. Seitenschiffe und die drei Turmgeschosse sind durch Rundbogenfenster gegliedert. In einer Rundbogennische im Südportal des Turms befindet sich eine Statue des Schutzpatrons St. Nikolaus. In der Vorhalle begrüßt ein Glasbild des Kirchenpatrons die Besucher.

Im Innenraum fallen die bleiverglasten Fenster des Glasbildmalers Albert Reinker aus Everswinkel auf, die 1988 eingeweiht wurden. Die Fenster widmen sich einem Thema aus der Bibel: den Werken der Barmherzigkeit. Das erste Fenster nahe dem Altar zeigt Darstellungen, wie Hungrige gespeist und Durstige getränkt werden. Auf der Nordseite sind „Gefangenen beistehen“, „Nackte kleiden“ und „Kranke besuchen“ zu sehen. Im gegenüberliegenden Fenster wird auf das Begräbnis der Toten hingewiesen.

Im Altarraum beginnen die Kreuzwegbilder, die in 14 Stationen das Leiden und Sterben Jesu darstellen. Über der Sakristei befindet sich eine Statue des Kirchenpatrons, der drei Goldstücke in einer Schale zeigt. Zu seinen Füßen sieht man drei Frauen – St. Nikolaus macht sich bereit für seinen letzten Weg in die Ewigkeit, mit jenen, die Jesus ihm anvertraut hat.

Die bunten Glasbilder im hinteren Teil der Kirche zeigen auf der einen Seite die Muttergottes, auf der anderen Bischof Bernward mit dem Bernwardskreuz – ein Hinweis auf die Verbindung des Bischofs zu Egenstedt.

Das Egenstedter Pfarrhaus – der Jesuiterhof

Zu finden: Am Jesuiterhof

Vom ehemaligen Jesuiterhof sind heute nur noch das Wohnhaus und ein Teil des Schafstalls erhalten. Die dazugehörige Durchfahrtsscheune wurde 1860 abgerissen. Erhalten ist lediglich eine Sockelmauer als Einfriedung des Pfarrgartens.

Als 1840 die Egenstedter Pfarrei eingerichtet wurde, bestimmte man den Jesuiterhof – der dem Bischöflichen Collegio Josephino in Hildesheim unterstand – zum Pfarrhaus. Er bestand aus einem Wohnhaus, je einem Schaf-, Kuh- und Schweinestall sowie einer Zehntscheune. Der Schafstall und die Scheune wurden nicht an den Pfarrer verpachtet, sondern anderweitig genutzt.

Das Wohnen im Jesuiterhof war jedoch nicht immer einfach. Im Frühjahr und Herbst kam es regelmäßig zu Überschwemmungen der Innerste. Das Wasser stand oft so hoch in der Wohnstube, dass der Pfarrer das Haus nicht verlassen und seinen Amtsgeschäften nicht nachkommen konnte. Die permanente Feuchtigkeit beeinträchtigte zudem seine Gesundheit. Dennoch fand man keine Alternative – der Jesuiterhof blieb bis 1984 Wohnsitz der Pfarrer von Egenstedt.

Röderhof

Südlich von Hildesheim liegt in einer flachen Talmulde zwischen Sonnenberg und Tosmarberg das ehemalige Klostergut der Hildesheimer Kartause. Röderhof wurde 1928 nach Egenstedt eingemeindet und gehört seit 1974 zur Gemeinde Diekholzen. Zum Ensemble gehören:

  • der landwirtschaftlich genutzte Gutshof,
  • die zum Gutshof gehörenden Arbeitshäuser,
  • das alte Forsthaus – von 1959 bis 2015 Jugendbegegnungsstätte der Diözese Hildesheim – mit Nebengebäuden,
  • die Fachwerkkapelle St. Antonius
  • sowie die Heimstatt Röderhof, eine Einrichtung für geistig behinderte Kinder und Erwachsene in Trägerschaft des Caritasverbandes.

Am Tosmarberg entspringt der Pepperbach, der nach Osten durch das Tal fließt und schließlich in die Innerste mündet. Am Fuße des Sonnenbergs befinden sich die Röderhofer Teiche: der Laichteich, der Galgenteich sowie in der Nähe des Gutshofs der größere Spülteich und weitere kleinere Teiche. Umgeben ist der Röderhof von ausgedehnten Waldgebieten.

Der Name „Röderhof“ leitet sich von den alten Bezeichnungen „to deme Rode“ und „dat Roed“ ab, die darauf hinweisen, dass die Siedlung durch Rodung von Waldland entstanden ist. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Röderhof im Jahr 1382, als Bischof Gerhard den Ort als „Zubehör“ der Marienburg verpfändete. Später ging der Hof in den Besitz des Karthäuserklosters über. Bischof Gerhard vom Berge bestätigte den Kauf. Die Siedlung „to deme Rode“ war inzwischen zur Wüstung geworden, da das ungenutzte und teils unfruchtbare Land lange brach gelegen hatte. Die Karthäuser nahmen die Bewirtschaftung des Guts auf und legten Fischteiche an, deren Erträge ihrer Versorgung dienten.

Der Sonnenberg unterhalb des Röderhofs war die Richtstätte des Amtes Marienburg und hier stand bis 1808 ein Galgen. 1833 wurde dort der Raubmörder Hartmann öffentlich enthauptet – die letzte Hinrichtung an diesem Ort.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Röderhof zerstört und niedergebrannt. Ab 1670 begann man mit dem Wiederaufbau der Kapelle und der Wohnhäuser. 1777 wurde das Karthäuserkloster aufgehoben, entging jedoch der Säkularisation. In den Folgejahren wechselten die Pächter häufig, was zum „elenden Zustande“ des Hofs führte.

Bis 1812 gehörte Röderhof zur Gemeinde Barienrode, ab 1837 wurde es kirchlich mit Egenstedt und der dortigen Kapelle verbunden. Ab 1844 intensivierte man die Fischwirtschaft. Röderhof und Egenstedt nutzten gemeinsam das umliegende Waldgebiet – den sogenannten „Kommunionwald“ oder auch „Egenstedter Holz“.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Röderhof aufgrund seiner romantischen Lage im Wald zu einem beliebten Ausflugsziel. Es entstand eine Schankwirtschaft, die bis zu ihrer Schließung 1951 von Wanderern aus Hildesheim – auch mit Pferdeomnibussen – angesteuert wurde.

 1954 verbrachte eine Jugendgruppe Ferientage im ehemaligen Försterhaus, das zum „Jugendheim Haus Röderhof“ umgestaltet wurde. Mit der steigenden Zahl der Ferienkinder wurden zusätzliche Zeltplätze angelegt. Die katholischen Zeltlager wurden zur festen Institution. Die Kapelle, die lange ungenutzt war, wurde wieder hergerichtet. Jugendliche kamen aus Hildesheim, aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland. Besonders beliebt waren die großen Pfingstzeltlager; auch das nahe Waldgebiet wurde aktiv einbezogen. Mit Frühlingsfesten wurde der Zeltsommer eröffnet. Blockhütten kamen als Übernachtungsmöglichkeiten hinzu, und 1981 wurde ein Bettenhaus mit Platz für weitere Jugendliche errichtet.

Auch nach der Schließung der Jugendbegegnungsstätte im Jahr 2013 wird auf dem Gelände – unterstützt durch die Heimstatt Röderhof – weiterhin regelmäßig gezeltet.

Gutsanlage Röderhof

Zu finden: Röderhof 1 und 2

Der Röderhof geht auf eine mittelalterliche Bauernsiedlung zurück, die im Jahr 1397 an den Kartäuserorden in Hildesheim verkauft wurde. Die heutige Gutsanlage bildet ein geschlossenes historisches Ensemble, das überwiegend im 18. Jahrhundert entstand und unter Denkmalschutz steht.

Das gut erhaltene Fachwerk-Ensemble wird bis heute als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt. Zu den Gebäuden gehören:

  • eine große Scheune,
  • ein Schafstall,
  • die ehemalige Försterei,
  • das östlich gelegene Torhaus
  • sowie die Fachwerkkapelle St. Antonius, die heute zum Kloster Romuald gehört.

Das Wohnhaus der Familie ist ein langgestreckter Fachwerkbau mit Satteldach. Besonders bemerkenswert ist die im Innern gut erhaltene Gewölbekonstruktion.

Eremo St. Romuald

Die Brüder der Benediktinischen Gemeinschaft St. Romuald gehören zum eremitisch ausgerichteten Kamaldulenserorden, der auf den Heiligen Romuald zurückgeht. Das Kloster am Waldrand ist ein Ort der Stille und Einkehr. Das kontemplative Leben basiert auf drei Säulen: dem Leben in der Welt, in der Gemeinschaft und in der Einsamkeit.

Im Jahr 2013 erließ der Bischof von Hildesheim, Norbert Trelle, ein Dekret zur Gründung der „Benediktinischen Gemeinschaft St. Romuald“. Seit 2014 lebt und bewirtschaftet die Gemeinschaft, die derzeit aus sieben Brüdern besteht, die ehemalige Jugendbegegnungsstätte. Das gemeinschaftliche und eremitische Leben, für das die Ordensgründer Romuald und Benedikt stehen, verbindet den Erwerb des Lebensunterhalts durch Arbeit bei lokalen Arbeitgebern mit der Begleitung von Exerzitien. Das Kloster Romuald ist die erste Niederlassung dieses Ordens in Deutschland und steht in Verbindung mit Brüdern in Italien, Kalifornien, Brasilien, Tansania und Indien.

Zum Kloster gehören ein Wohnhaus mit Schlafräumen, ein Verwaltungstrakt, ein Meditationsraum, ein großer Garten sowie die Antoniuskapelle. Diese ist jederzeit geöffnet und lädt zu einer stillen Pause ein. Nach vorheriger Anmeldung sind Besucher willkommen, das Kloster zu besichtigen und an Meditationen teilzunehmen. Zudem werden kontemplative Exerzitien angeboten, die im Kloster Marienrode stattfinden und von einem Bruder aus St. Romuald geleitet werden. Das Programm umfasst leichte Körperübungen, eine Einführung in das richtige Sitzen, Anleitungen zur Meditation, gemeinsames Schweigen, die Feier der Eucharistie sowie persönliche Begleitgespräche. Weitere Informationen und Termine findet man unter: www.sankt-romuald.de 

St.-Antonius-Kirche

OT Röderhof

Diese historische Fachwerkkapelle aus Holz wurde im Jahr 1613 erbaut und 1706 renoviert. Die Gegend gehörte früher den Rittern von Rössing, bevor sie 1397 an das Kartäuserkloster Hildesheim verkauft wurde. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Kloster aufgelöst und die Kapelle zeitweise als Kornspeicher genutzt. Von 1959 bis 2013 diente die Kapelle als Gottesdienstort der Jugendbegegnungsstätte Röderhof. Seit 2014 wird sie von der „Benediktinischen Gemeinschaft St. Romuald“ genutzt.

Der kleine Fachwerkbau mit Satteldach verfügt an den Längsseiten über rechteckige Sprossenfenster, zwischen denen Kreuzstreben angeordnet sind. Über dem Eingang im Westen ist auf dem Türsturzbalken das Baujahr 1613 eingraviert. Das Dach ist mit Ziegelpfannen gedeckt, und darüber befindet sich ein kleiner, dachreiterähnlicher Auslegerstuhl für eine Glocke, der von einer Kugel und einem Kreuz bekrönt wird.

Heimstatt Röderhof

Zu finden: Röderhof 7

Dominiert wird die Siedlung heute von der Heimstatt Röderhof. Das Gelände wurde der katholischen Kirche kostenlos zur Verfügung gestellt. Es fehlten 1200 Heimplätze für geistig behinderte Kinder. Röderhof liegt etwas abseits, aber doch in der Nähe der Stadt mit ihren sozialen und medizinischen Einrichtungen. 1969 begannen die Bauarbeiten und 1971 zogen bereits 160 Kinder ein. Die Heilig-Geist-Kirche wurde am 30.7.1971 eingeweiht. An den Baukosten waren das Land Niedersachsen, die katholische Kirche und die “Aktion Sorgenkind" beteiligt.  

In der Heimstatt Röderhof gibt es Wohn-, Arbeits- und Lebensräume für Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen. Es gibt stationäre und ambulante Wohnformen, eine Schule und Angebote zur therapeutischen Beschäftigung und Heranführung an den Arbeitsmarkt. Dabei steht das christliche Menschenbild im Vordergrund und eine möglichst selbstbestimmte Teilhabe am Leben in dieser Gemeinschaft.

Die St.-Franziskus-Schule auf dem Gelände ist eine Ganztagsschule mit dem Schwerpunkt “Geistige Entwicklung” in der Trägerschaft des Caritasverbandes für die Diözese Hildesheim. Es gibt Lerngruppen in der Grund- und Hauptstufe und Abschlussstufenklassen, wobei die Klassenstärke zwischen fünf und acht Schülern liegt. Jede Klasse wird von einer Lehrkraft und pädagogischen Mitarbeitern unterstützt. Neben den traditionellen Unterrichtsfächern wird viel Wert auf Entspannungstechniken, Motopädie, Möglichkeiten der Kommunikation, bildnerisches und gestaltendes Werken, Theater und Sprach- und Einzelförderung gelegt. Seit 2005 gibt es eine Reithalle auf dem Gelände und bei der Reittherapie und dem Heilpädagogischen Voltigieren stehen  die Wahrnehmung, die Motorik und die emotionale Beziehung zum Therapiepferd im Mittelpunkt.

Die Heimstatt Röderhof verfügt auch über Wohnungen für geistig beeinträchtigte Erwachsene. Die Wohn- und Betreuungsangebote bestehen zeitlebens und die Maßnahmen zur sozialen Teilhabe und Selbstbestimmung werden gezielt gefördert. Hierbei spielt die Tagesförderstätte eine große Rolle, die den dort lebenden Erwachsenen ein tagesstrukturierendes Programm bietet.

Heilig-Geist-Kirche der Heimstatt Röderhof

Auf Initiative des Bischofs Heinrich Maria Janssen wurde 1971 auf dem Gelände des Gutes Röderhof die Heimstatt für Behinderte eingerichtet und im gleichen Jahr erhielt die Einrichtung ein eigenes Gotteshaus, die Kirche Heilig Geist. Sie gehört zur Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt in Söhre und bietet Platz für 300 Menschen.

Der Innenraum auf achteckiger Grundfläche ist so gegliedert, dass die Beteiligung der Gemeinde am Gottesdienst angeregt wird. Der Altar aus hellem Kalkstein mit dunklem Sockel steht vor einem großen Mosaik in Gold, Rot und Beige, das Jesus beim Abendmahl mit seinen Aposteln zeigt. Im Mosaik bilden die roten Farbtöne ein Kreuz. Die künstlerisch gestalteten bunten Fenster zeigen die sieben Werke der Barmherzigkeit: Hungrige speisen, Durstige tränken, Nackte bekleiden, Fremde beherbergen, Gefangene erlösen, Kranke besuchen und Tote begraben. Die Statue der Muttergottes ist eine spätromanische Arbeit aus Bayern und ein Geschenk von Bischof Janssen zur Einweihung der Kirche. Im Glockenträger rechts von der Kirche hängen die Glocken „Max und Moritz“, die zu den Gottesdiensten einladen.

Die Heilige Messe findet sonntags um 11:30 Uhr statt und wird auch häufig von Gästen aus der Umgebung besucht.