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Interessant + Wissenswert


Sagen und Geschichten

Der Sonnenberg

Der Sonnenberg wurde im vergangenen Jahrhundert von den Einwohnern Egenstedts mit einer gewissen Furcht betrachtet, da er die Hinrichtungsstätte des Amtes Marienburg war. Historische Akten belegen, dass im 18. Jahrhundert hier ein Galgen errichtet wurde. Die letzte Hinrichtung erfolgte 1833: Der Raubmörder Franz Hartmann aus Gerzen hatte einen Kaufmann auf dem Sonnenberg überfallen, beraubt und getötet. Das Todesurteil wurde in Sichtweite des Tatortes vollstreckt, indem der Scharfrichter Hartmann mit dem Schwert enthauptete.

Rund um die Röderhofer Teiche am Sonnenberg gibt es zahlreiche Sagen und Legenden, wenngleich die Überlieferungen spärlich sind. Ein Teich trägt den Namen Galgenteich, vermutlich, weil sich der Galgen im Wasser des Teichs spiegelte.

Hexensabbath am Sonnenberg

Der Sonnenberg, der südlich von Egenstedt thront, ist nicht nur wegen seiner Höhe und der schönen Aussicht bekannt, sondern auch wegen einer alten, düsteren Sage, die von den Menschen in der Region seit Generationen erzählt wird.

Man sagt, dass in längst vergangenen Zeiten Hexen aus den umliegenden Dörfern sich auf dem Sonnenberg heimlich zu nächtlichen Treffen versammelten – zu einem Hexensabbath. Dort, im Schutz der Dunkelheit und der tiefen Wälder, vollführten sie geheimnisvolle Rituale und tanzten um das Feuer. Die Menschen der umliegenden Dörfer erzählten sich, dass die Hexen dort mit dunklen Mächten in Verbindung standen, Zauber wirkten und manchmal sogar mit Dämonen paktieren sollten.

Der Sonnenberg war damals schon als Hinrichtungsstätte berüchtigt, an der Verbrecher und angebliche Hexen ihr Leben verloren. Das erhöhte die Furcht vor dem Berg, der als unheilvoller Ort galt, an dem sich das Übernatürliche und das Grauen nahe waren.

Besonders in den kalten Winternächten hörten die Dorfbewohner unheimliche Geräusche, die wie heisere Gesänge und das Klatschen von Händen klangen – und manche behaupteten sogar, schemenhafte Gestalten in den Bäumen tanzen zu sehen.

Noch heute erzählen alte Leute am Kamin von den unheimlichen Nächten am Sonnenberg und warnen die Jungen, nach Einbruch der Dunkelheit nicht zu nahe an den Berg zu gehen. Ob die Sage wahr ist, weiß niemand genau. Doch sie lebt im Gedächtnis der Region weiter – als Erinnerung an Zeiten voller Aberglauben, Angst und mystischer Geschichten.

Der Schäfer mit der Herde am Sonnenberg

Vor vielen Jahren, als der Sonnenberg noch von dichten Wäldern und unberührter Natur bedeckt war, lebte dort ein einfacher Schäfer. Er war bekannt für seine große Herde Schafe, die friedlich auf den Wiesen und Hügeln um den Berg graste.

Eines Abends, als die Sonne schon unterging und der Nebel langsam über den Talgrund zog, führte der Schäfer seine Herde den Berg hinauf, um sie auf den letzten saftigen Wiesen grasen zu lassen. Doch plötzlich hörte er ein seltsames Geräusch – wie das Flüstern von Stimmen und das Klirren von Ketten.

Der Schäfer blieb stehen und lauschte. Da sah er, wie sich aus dem Nebel schemenhafte Gestalten näherten – es waren wilde Gesellen und Geister, die dort am Sonnenberg ihr Unwesen trieben. Der Schäfer hatte Angst, wollte seine Herde in Sicherheit bringen, doch die Schafe schienen wie gebannt.

In seiner Not begann der Schäfer zu beten und rief laut den Namen eines heiligen Schutzpatrons an. Plötzlich erhob sich ein leuchtendes Kreuz über dem Berg, das die Schatten vertrieb. Die Geister und Gesellen flohen in die Dunkelheit, und die Herde beruhigte sich.

Seitdem sagt man, dass der Sonnenberg besonders in der Abenddämmerung ein Ort voller Geheimnisse ist, aber auch ein Ort, an dem der Glaube und der Mut eines einfachen Schäfers über das Böse triumphierten.


Schriftgut und Überliefertes

  • Egenstedt 996 - 1996, Heimatgeschichte, Cord Alphei und Jutta Finke, Diekholzen 1995
  • Pfarrkirche St. Nikolaus, Egenstedt, Festschrift zum 150. Kirchweihfest, Pfarrgemeinderat Egenstedt 1993
  • Diekholzen, Eine Gemeinde stellt sich vor, Broschüre 2000
  • Sagen aus dem Hildesheimer Land, Gerhard Kraus, Husum 1996


Das gibt's so nur bei uns

Rustikale Sitzbänke prägen das Ortsbild

Überall in Egenstedt findet man rustikal gezimmerte Sitzbänke, die zum Verweilen, Entspannen oder Schauen einladen. Sie stehen in vielen Gärten und Höfen, auf dem Friedhof, im Wald bei Röderhof mit herrlicher Aussicht und am Kloster Romuald, wo zwei Bänke mit einem Gebetskreuz und dem Wappen des Ordens zur Besinnung einladen. Vor der Kirche steht die Hochzeitsbank, die gerne für Fototermine nach der Trauung genutzt wird. Auf dem Spiel- und Bouleplatz gibt es die „Boulebahnbaumelbank (BBBB)“, die Knie- und Fußgelenke beim Sitzen entlastet – ganz nach dem Motto: „Lass deine Beine und die Seele baumeln“. Diese Bank liegt etwas versteckt, bietet aber einen schönen Blick ins Innerstetal und auf vorbeifahrende Züge.

Der gelernte Maurer und Zimmermann Robert Stigge fertigt diese Bänke aus Eichenholz an, das im Egenstedter Wald geschlagen wird. Am Zimmerplatz im Ort werden die Stämme zwischengelagert, zu Balken verarbeitet und zum Trocknen aufgestapelt. Vom Einschlag bis zum fertigen Produkt übernimmt Stigge alle Arbeitsschritte selbst. Dafür hat er sich eine Werkstatt eingerichtet, in der er das Holz bearbeitet und seine Werke baut.

Neben den Bänken fertigt Stigge auch andere Holzarbeiten: Auf dem Friedhof steht ein fünf Meter hohes Kreuz mit einem Schriftzug, und gegenüber an der Friedhofskapelle befindet sich eine massive Eichenwand mit einem eingearbeiteten Psalm-23-Schriftzug, für den er einen Monat benötigte. Auch den großen Wegweiser am Mittelpunkt der Gemeinde in Söhre hat er geschaffen. Auf dem Zimmerplatz steht seine Eichenholz-Hütte, die von Senioren gern zum Klönen genutzt wird.

Die Werke aus Egenstedter Eiche sind mit „STE“ gekennzeichnet und prägen das Ortsbild. Ein „echter Stigge“ steht für Qualität und Langlebigkeit.

Da Robert Stigge jetzt nicht mehr arbeitet, ist die Werkstatt geschlossen, aber die Egenstedter sind stolz auf ihn und seine Werke.