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Kultur in der Region Hildesheim

Allgemeine Informationen

Wolf Brölls Skulpturen stellen den Blick für das Wachstum von Gesteinen frei. Skulpturentitel wie Großer steinbewachsener Kopf (1992, Pauli-Kloster in Brandenburg an der Havel), Steinbewachsenes Haus (1994, Rathaus in Duderstadt; 2002) oder Drei steinbewachsene Möbel (1993, Northeim) verkehren das landläufige Verständnis von Gesteinen: Gesteine entstehen im Laufe von Jahrtausenden und Jahrmillionen, sie wachsen jedoch nicht über Köpfe, Häuser oder Möbel.

Der 1950 in Stuttgart geborene Bildhauer Bröll arbeitet aus Gesteinsblöcken figurative Elemente heraus, poliert sie bis sie eine glatte, glänzende Oberfläche bekommen; zugleich belässt er im selben Gesteinsblock Teile in ihrer amorphen Rauheit. Diese Kombination ist das Charakteristikum seiner Skulpturen - glatt und rau, elementar und vollendet. In diesem Spannungsverhältnis eröffnen sich zwei Perspektiven: zum einen jene, welche die formvollendeten Figuren fokussiert und damit das Werden der Skulptur aus dem Gestein thematisiert; und zum anderen jene, welche den ursprünglichen Stein in den Mittelpunkt stellt und damit das Wachstum des Steins über die konkreten Elemente thematisiert.

Die Skulpturentitel lenken die Perspektive der Betrachterinnen und Betrachter auf die zweite Perspektive. In der Tat entstehen Gesteine im Laufe von Jahrmillionen, sie wachsen zum Beispiel durch die Kristallisation von Mineralien und haben ein Eigenleben. Der älteste Stein, ein sogenannter Grönlandit, wird auf zirka 3,8 Millionen Jahre datiert. Ein menschliches Leben ist im Vergleich dazu nicht einmal ein Wimpernschlag. Aus diesem Grund scheinen Steine ewig zu sein und verweigern der menschlichen Wahrnehmung ein unmittelbares Nachvollziehen ihres Wachstumsprozesses.

Auf dem Skulpturenweg zwischen Altgandersheim und der Siedlung Ludolfsfeld hat Bröll scheinbar zwei 3,50 Meter hohe, 2,60 Meter breite und 0,80 Meter tiefe Steinblöcke hinterlassen. Die beiden wie Findlinge in der Landschaft erscheinende Granitblöcke wiegen jeweils 16 Tonnen und sind sich gegenüber am Wegesrand platziert. Manch eine oder einer mag sie auch als ein Tor inmitten der Landschaft wahrnehmen. Doch auch hier kommt Brölls Skulpturenkennzeichen glatt und rau, elementar und vollendet zum Tragen. Zwei Schrifttafeln wurden hier zwischen der mittelalterlichen Stadt Bad Gandersheim und dem Flecken Lamspringe von rotem Gertelbach-Granit bewachsen. Teile der Schrifttafeln sind noch erkennbar, doch im Laufe von Generationen zu Generationen wird der Granit sie vollständig umgeben. Dann wird der Stein ihre Geschichte vollständig speichern.

(Text: Myriam Naumann, © Kulturbüro Landkreis Hildesheim)

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